Fotograf des Jahres

Die Swiss Photo Academy hat sich zum Ziel gesetzt, die Schweizer Fotobranche unter einem Dach zu vereinen und allen Fotografen und Branchenmitgliedern eine starke Marke mit internationaler Strahlkraft zur Verfügung zu stellen. Die Swiss Photo Academy besteht aus rund 1‘000 Personen. In diese berufen werden – quasi ex officio und automatisch – alle Fotografen, die einmal an einer photo ausgestellt haben, sowie wichtige Sammler, Galeristen, Journalisten, Bildredaktoren, Art Buyer, mediale Leitstimmen und renommierte Persönlichkeiten der kulturellen Schweiz.

Die Swiss Photo Academy wählt einmal jährlich den Fotograf des Jahres, und eine hochkarätige Fachjury, unter dem Vorsitz von Res Strehle, Präsident der Journalisten Schule MAZ und langjähriger Tages-Anzeiger-Chefredaktor, zeichnet einen Fotografen für sein Lebenswerk mit dem Lifetime Award aus. Der Gewinner des Lifetime Awards und der Schweizer Fotograf des Jahres werden im Rahmen der Award Ceremony an der Werkschau photoZÜRICH geehrt. Wir zeigen in der Werkschau die besten Bilder der Nominierten.


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Ursula Markus mit dem Lifetime Award geehrt

Sie arbeitete als freischaffende Fotografin für die Illustrierte «Die Woche» und Frauenzeitschriften wie «Elle». 1991 erhielt sie den World Press Photo Award. Nun zeichnet die Jury der SWISS PHOTO ACADEMY Ursula Markus im Rahmen der Werkschau photoSCHWEIZ 19 für ihr Lebenswerk aus.

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Die international versierte Zürcher Fotografin Ursula Markus besticht durch ihre schwarzweissen, feinfühligen Bildthemen, die klassisch und analog fotografiert wurden. Ihr Schwerpunkt sind Reportagen im In- und Ausland. Sie publiziert Bücher zu Themen, die sich mit gesellschaftlichen Randgruppen und ihren Veränderungen beschäftigen. Transmenschen, Menschen mit Behinderungen, den neuen Grossmüttern und Grossvätern – eines der Bücher widmete sie ihrer Mutter, die Alzheimer hatte. In einem andern hielt sie anhand von Porträts das pralle Leben und die Widersprüchlichkeit des Zürcher Kreis 4 fest. Sie hat viele Flüchtlinge, denen sie Deutschunterricht gibt, fotografiert. Die Fotografie ist ihre Berufung - auch als 77-Jährige verfolgt die Zürcherin hartnäckig ihre Projekte.

Markus wurde 1941 in Kolumbien geboren und ist in Trinidad, Iran und der Schweiz aufgewachsen. Sie lebte zwei Jahre in Israel, fünf Jahre in Australien und ist seit 1972 in der Schweiz.

Cortis & Sonderegger sind Fotografen des Jahres

An der photoSCHWEIZ 19 wurde das Fotografen-Duo Cortis & Sonderegger von der SWISS PHOTO ACADEMY zu den Fotografen des Jahres 2019 gewählt.

Weitere Informationen zu den Gewinnern sowie zu allen Nominierten finden Sie unten.

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Die fünf Nominierten für den Fotograf des Jahres:

Beat Schweizer

Der Fotograf Beat Schweizer (geb. 1982) verfolgt neben Auftragsarbeiten persönliche Projekte mit einer klar dokumentarischen Haltung. In seinen freien Fotoserien interessiert er sich seit einem Jahrzehnt für Menschen und deren Umgebung in unbekannten, bisweilen abgelegenen Gebieten der ehemaligen Sowjetunion. Seine Fotografien und Eigenpublikationen wurden in England, Frankreich, Russland und der Schweiz in Institutionen wie dem Fotozentrum in Winterthur, dem Photoforum Pasquart in Biel, dem Lumiere Center of Photography in Moskau oder ROSPHOTO in St. Petersburg gezeigt. 2016 hat Beat Schweizer den ersten Preis beim Swiss Photo Award gewonnen.

Seit 2012 hat er den Alltag im peripheren und zum Teil nur mit einer Sonderbewilligung zugänglichen Norden Russlands dokumentiert. Zurzeit zeigt er in der COALMINE diese Fotografien in einer grossen Einzelausstellung. Die Arbeit erscheint Ende Jahr in Buchform beim Kehrer Verlag.

 

Cortis & Sonderegger

Das deutsch-schweizerische Künstlerduo Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger baut in ihrer Serie Icons seit 2012 Ikonen der Fotogeschichte als dreidimensionale Dioramen in ihrem Atelier nach. Die Modelle werden anschliessend fotografiert. Dabei entstehen Bilder, die den Vorlagen bis aufs Haar zu gleichen scheinen. Die Illusion wird allerdings sofort unterlaufen, indem das Studiosetting und die Spuren des Arbeitsprozesses mit ins Bild geholt werden. Szenen, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben haben – die brennenden Twin Towers, Robert Capas fallender Milizionär im Spanischen Bürgerkrieg oder Stuart Franklins Aufnahme des «Tank Man» vom Tian’anmen Platz, 1990 mit einem World Press Photo Award ausgezeichnet – werden zwischen Stativen, Softboxen, Stanleymessern und den Resten von Modellbau-sätzen sichtbar.

Icons
ist zugleich eine Hommage an die Fotogeschichte, eine humorvolle Aneignung ihrer Säulenheiligen und – in der doppelten Inszenierung von Motiv und Ateliersituation – Reflexion über die Funktionsweisen des Mediums. In Zeiten, in denen an zu vielen Orten mit alternativen Fakten hantiert wird, animieren die Bilder von Cortis & Sonderegger zum Nachdenken über die fragile Wahrheit der Fotografie, das Verhältnis von Authentizität und Konstruktion und die Bedeutung von Kontext und Perspektive. Geschrieben von Fabian Knierim für WestLicht – Schauplatz für Fotografie, Wien.

Lukas Wassmann

In Lukas Wassmann’s (*1980) Arbeit verschränkt sich Banales mit Bedeutsamem, sie ist ein Mix aus geplanten Inszenierungen und dem Experimentieren mit dem Zufall. Seine Bilder bewegen sich zwischen intimem Schnappschuss, gestalteter Natur, Bauten und Menschen sowie kommerzieller Mode- oder Dokumentationsfotografie. Auch wenn er sehr oft international arbeitet, schätzt die Schweiz als seine Heimat und seinen kreativen Lebensmittelpunkt. Er wurde 2018 mit der umfangreichen Dokumentation des Schweizer Volksfestes «Badenfahrt» in dem Buch Versus betraut und realisierte eine 30-seitige Vetements-Serie mit Nadine Strittmatter auf dem Sechseläuten in Zürich für das Interview Magazin. Als die Schweizer Ausgabe von «Die Zeit» ihr 10-jähriges Bestehen feierte, bat die Redaktion Lukas Wassmann einige elementare Fragen über die Schweiz mit seinen Fotografien zu beantworten. Das hat er in gewohnt unverstellter Manier und einem Augenzwinkern getan.

Mehr von seiner freien Arbeit kann man in seinem neuen Buch «W» sehen, erschienen im Dezember 2018 im Verlag Edition Patrick Frey. Es versammelt zwischen 2000 und 2018 entstandene Fotografien. Assoziative Bildabfolgen, eher atmosphärische Spuren, Momente aus dem Strom des Bewusstseins eines Autors mit einem höchst eigenwilligen fotografischen Blick.

Raphaela Pichler

Raphaela Pichler (1982) ist im Aargau geboren und lebt in Zürich.

Vor zwei Jahren startete die Fotografin Raphaela Pichler das Projekt «Currency». «Currency» ist eine fortlaufende Serie von Selbstportraits in Form von Cover Shoots für ein wöchentliches Magazin, das nicht existiert. Die Fotografin beschäftigt sich bei diesem Projekt mit den Fragen: «Was ist der Wert meines eigenen Namens?» oder «Steigert sich der Wert eines Bildes wenn es publiziert wird?»

In Zeiten, in denen Artisten und Kreativschaffenden oft angeboten wird mit ihrem «Credit» (Erwähnung des Namens) entlohnt zu werden anstatt mit Geld, scheint es, als wäre der publizierte Name eine neue Form von Währung.

Jeder Aspekt auf sämtlichen Bildern ist alleine von Raphaela Pichler kreiert und umgesetzt: Konzept, Make-up, Haare, Styling, Modeling, Fotografie, Postproduktion und Layout.

Sie fotografiert neben ihrem Projekt «Currency» vor allem Portraits und Beautygeschichten. Ihr ausgeprägtes Interesse an Menschen und die aussergewöhnliche Fähigkeit mit ihnen zu interagieren, machen ihre Porträts und Beauty-Aufnahmen einzigartig und intim. Raphaela Pichler ist bei sämtlichen Arbeiten von Beginn an Teil des kreativen Prozesses.

Kampagnen und Editorials für BOSS, Beyer Chronometrie, Joop! sowie für das Z Magazin, FRIDAY und die NZZ am Sonntag sind nur ein kleiner Auszug ihres Portfolios.

 

Vera Markus

Die Fotografin Vera Markus ist 1969 in Melbourne / Australien geboren und mit drei Jahren in die Schweiz gezogen. Sie hat Klavier in New York und Berlin studiert. Nach Fotokursen am International Center of Photography (ICP) arbeitete Vera Markus als Fotografin in Tel Aviv, wurde später Bildredakteurin bei der NZZ und ist seit 1999 freiberuflich tätig. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit bilden Reportagen und Porträts. Sie dokumentiert Zeitgeschehen, Zeitgeschichte und Menschen.

Ihre aktuellste multimediale Arbeit, für die sie den Omanut-Zwillenberg Förderpreis erhalten hat, erzählt vom Leben der heute 96-jährigen Inge Ginsberg. Als eine der letzten Zeitzeuginnen vermitteln uns Inge Ginsberg (96) entlang ihrer Lebensgeschichte politische und gesellschaftliche Geschehnisse der vergangenen hundert Jahre. Faszinierend ist nicht nur, was sie zu erzählen hat, sondern wie sie es tut: scharfsinnig, humorvoll und mit Verve.

Der Zürcher Fotografin gelingt es, in einer 51-minütigen Audioslide-Show, das aussergewöhnliche Leben einer aussergewöhnlichen Frau zu porträtieren - erfrischend, aufrüttelnd, witzig, gescheit!

Fachjury Fotograf des Jahres 2018

Res Strehle
Jurypräsident, Präsident der Journalisten Schule MAZ und langjähriger Tages-Anzeiger-Chefredaktor

Joshua Amissah
Co-Kurator photoSCHWEIZ 19 und Fotograf

Olaf Hille
Leiter der Bildredaktion bei Tamedia

Pascal Mora
Fotograf und Gewinner Fotograf des Jahres 2016

Dominic Nahr
Fotograf und Gewinner Fotograf des Jahres 2014

Andri Pol
Fotograf und Gewinner Fotograf des Jahres 2015

Cara-Anne Specker
Kuratorin photoSCHWEIZ 19, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Schweizer Bildredaktoren, Dozentin an der Hochschule Luzern HSLU, Mitgründerin der Fotografen-Agentur PhotoMedia und des Art Buying-Netzwerkes (Swiss Art Buyers Association)

Lauretta Suter
Fotografin und Gewinnerin Fotograf des Jahres 2017


Die Preisträger Fotograf des Jahres

2014 Dominic Nahr

2015 Andri Pol

2016 Pascal Mora

2017 Lauretta Suter

2018 Corits & Sonderegger


Die Preisträger Lifetime Award

2015 René Groebli

2016 Robert Frank

2017 Walter Pfeiffer

2018 Sabine Weiss

2019 Ursula Markus