Daniel Bolliger’s Wildcards
Präsentiert werden die Wildcards von Daniel Bolliger, langjähriger Kurator der photoSCHWEIZ und heute Lead-Kurator des kuratorischen Beitrats.
Mehr von seinen Wildcards, Projekt DOUBLE OR NOTHING, Arthur Heck, Santiago Martinez, Marco Vannotti und Johanna Huller gibt es an der photoSCHWEIZ im Februar 2026 zu sehen.
Daniel Bolliger
Der Schweizer Künstler Daniel Bolliger studierte Fotografie an der ZHdK und an der Kunstakademie Düsseldorf, bevor er seinen Master an der School of Visual Arts New York absolvierte. Sein Abschlussprojekt wurde für die Adobe Achievement Awards nominiert und brachte ihm internationale Aufmerksamkeit.
Er lebte und arbeitete viele Jahre in New York, Los Angeles und London, unter anderem für das renommierte Gloss Studio mit globalen Marken wie Gucci, Dior, Louis Vuitton und Alexander McQueen. Seine Arbeiten erschienen in Vogue, i-D, DAZED und weiteren internationalen Magazinen.
Heute lebt er in Zürich und arbeitet als Creative Director & Motion Designer im Bereich Film und Animation. Sein Fokus: progressive Bildwelten mit Tiefe und klarer visueller Kraft.
«Mich interessieren progressive Arbeiten. Klassisch als Fotografie umgesetzt, aber auch in aufregenden Spielarten an der Schnittstelle zu neuen Medien und Technologien. Wichtig ist, dass die Arbeiten Tiefgang haben - und eine Message. Und dass sie visuell spannend sind. So profan es sich liest, aber ein gutes Bild bleibt ein gutes Bild».
© Tokay Sirin, Konstantin Rosshoff, Marco Jörger, Hochschule Luzern – Design Film Kunst
DOUBLE OR NOTHING
DOUBLE OR NOTHING wird im Rahmen der photoSCHWEIZ als raumgreifende Set-Installation präsentiert und macht sichtbar, wie eng Film, Animation und Fotografie in der Stop-Motion-Praxis miteinander verwoben sind.
Der Film entstand als Masterabschlussarbeit im Studiengang MA Animation an der Hochschule Luzern. Regie und Drehbuch stammen von Tokay Sirin. Die visuelle Welt – Figuren, Sets, Requisiten und Materialität – wurde von Konstantin Rosshoff als Production Designer entworfen und gebaut. Kamera, Licht und Compositing verantwortete Marco Jörger.
Stop Motion ist eine fotografische Praxis im Kern: Bild für Bild entstehen filmische Welten, deren Wirkung massgeblich durch Licht, Raum, Material und Komposition geprägt wird. In Double or Nothing wird diese fotografische Dimension besonders in der physischen Präsenz der Sets und Figuren erfahrbar.
Die Installation eröffnet eine zusätzliche Lesart des Films, indem sie die gebauten Elemente aus dem filmischen Kontext löst und als eigenständige Objekte präsentiert. So positioniert sich das Werk an der Schnittstelle von Animation, Film und Fotografie und lädt dazu ein, Production Design als fotografisch wirksame Gestaltungspraxis zu lesen.
Credits:
Regie & Drehbuch: Tokay Sirin https://tokay-world.kit.com/
Production Design, Set- , Requisiten & Puppenbau: Konstantin Rosshoff https://konstantinrosshoff.com/
Director of Photography, Animation & Compositing: Marco Jörger http://www.marcojorger.ch/
Hochschule Luzern – Design Film Kunst https://www.hslu.ch/de-ch/design-film-kunst/
© Arthur Heck
Arthur Heck
Der Künstler Arthur Heck präsentiert eine Arbeit, die durch eine fragile, intime und zugleich eindringliche Bildsprache besticht. Seine Fotografie entfaltet eine bemerkenswerte Sensibilität und Tiefe, die sich sowohl in den Bildern selbst als auch in ihren räumlichen Erweiterungen zeigt.
Arthur bewegt sich in seiner Praxis zwischen Nähe und Distanz, zwischen persönlicher Verletzlichkeit und einer Welt im Wandel. Seine Fotografien und Installationen suchen nach zarten Momenten der Verbindung – nach stillen Ankern in einer Zeit, in der das Private zunehmend von äusseren Kräften durchdrungen wird.
Im Zentrum seiner künstlerischen Untersuchungen stehen Körper und ihre Reaktionen auf Veränderung: wie sie absorbieren, sich anpassen oder Widerstand leisten. Intimität erscheint dabei als ein Ort, der gleichzeitig verletzlich und widerständig ist. Aus dieser Spannung entsteht eine leise, aber beständige Dringlichkeit, ein Echo des Unbehagens, das durch Überhitzung, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Krisen in den persönlichen Raum vordringt.
Arthur Heck studierte an der Haute École des Arts du Rhin (BA, 2022) und schloss 2024 seinen Master of Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste mit Auszeichnung ab. Seine Arbeiten wurden bereits in verschiedenen Ausstellungen präsentiert, unter anderem in The Ballery (Berlin, 2025), im Amiamo Caffè (Zürich, 2024) und im Fomo Art Space(Zürich, 2023).
Seine Kunst versteht sich als eine leise, doch eindringliche Auseinandersetzung mit Zerbrechlichkeit, Verbindung und Veränderung, ein poetischer Blick auf das Menschliche im Übergang. Für die Ausstellung entsteht eine Installation aus Metall und Fotografien, die eine intensive, eigenständige Begegnung mit seinem Werk ermöglicht.
© Santiago Martinez
Santiago Martinez
Der Künstler und Fotograf Santiago Martinez arbeitet auf bemerkenswert experimentelle Weise mit dem Medium Fotografie und hinterfragt dabei konsequent gängige Methoden der Bildproduktion. Seine Praxis eröffnet neue Denkweisen über fotografisches Sehen und erweitert den traditionellen Ansatz um spielerische, handwerkliche und technische Elemente.
Im Zentrum seiner Arbeit steht eine selbst konstruierte Kamera, ein dekonstruiertes Kopiergerät, ausgestattet mit einem Grossformatobjektiv, das direkt A4-Abzüge erzeugt. Dieses hybride Werkzeug verbindet Mechanik und handwerkliche Präzision mit kreativer Freiheit und macht Fotografie zu einem physischen, unmittelbaren und prozesshaften Erlebnis.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Santiago Martinez unter anderem durch den Swiss Design Award 2025, den er in der Kategorie Fotografie erhielt, eine Auszeichnung, die seinen unkonventionellen und mutigen Ansatz würdigt. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte er an der ECAL, wo er einen Bachelor in Fotografie erwarb.
Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Darstellung und Abstraktion und eröffnen überraschende visuelle Perspektiven. Aktuell entwickelt er eine neue Serie in seinem Studio, basierend auf seiner mobilen Kopierer-Kamera, die bereits für ein Outdoor-Projekt zum Einsatz kam.
Die Präsentation zeigt eine Installation, die seine experimentelle Herangehensweise und die ästhetische Vielschichtigkeit seiner Bildproduktion erfahrbar macht, eine Einladung, Fotografie aus einer ungewohnten, inspirierenden Perspektive zu betrachten.
© Marco Vannotti
Marco Vannotti
Der Fotograf und Psychologe Marco Vannotti, wohnhaft in Zürich, zeichnet sich durch vielschichtige Porträts aus, die eine bemerkenswerte Tiefe und Sensibilität entfalten. Sein Blick richtet sich auf Menschen und Objekte, die im Alltag häufig übersehen, vergessen oder verdrängt werden. Dabei gelingt es ihm, das scheinbar Nebensächliche oder Unscheinbare ins Zentrum zu rücken und dessen ästhetisches und emotionales Potenzial sichtbar zu machen.
Vannottis Fotografie versteht sich weniger als reine Abbildung, sondern als eine Form der Entdeckung. Seine Arbeiten finden Schönheit in Details, die oft unbeachtet bleiben, und zeigen, dass selbst vermeintlich „unattraktive“ oder verzerrte Elemente eine eigene Faszination besitzen können. Diese besondere Art, Menschen, Objekte und Situationen sichtbar zu machen, verleiht seiner Position innerhalb der photoSCHWEIZ eine besondere Relevanz.
Für die Ausstellung wurde aus seinem umfangreichen Porträtwerk eine Serie ausgewählt, die sowohl Vielfalt als auch formale Klarheit vereint. Die präsentierte Installation bündelt diese Qualitäten in einer kohärenten, kraftvollen Zusammenstellung und lädt dazu ein, die feinen Nuancen seiner fotografischen Beobachtung zu entdecken.
© Johanna Huller
Johanna Hullár
Die in Zürich lebende visuelle Künstlerin Johanna Hullár beeindruckt durch eine spielerische, surreale und farbintensive Bildsprache. Ihre Arbeiten verweben Realität und Fiktion zu neuen, sinnlichen Erfahrungsräumen und eröffnen einen Zugang zu Welten, die sich im Übergang befinden - flüchtig, humorvoll und voller Leichtigkeit.
Hullár arbeitet an der Schnittstelle von Fotografie, Video und skulpturaler Installation. Zentral für ihre Praxis ist das Experimentieren mit Zeit, Materialität und Wahrnehmung. Natürliche und künstliche Materialien treten in ihren Werken in einen vielschichtigen Dialog: gefrorene, bewegte oder sich verändernde Objekte verbinden das Vergängliche mit dem Dauerhaften und erzeugen Bildwelten, die zugleich fragil und lebendig erscheinen.
Ihre künstlerische Ausbildung führte sie von einem Studium in Kommunikationsdesign an der HTW Berlin zu einem Master in Fotografie an der ECAL, University of Art and Design Lausanne. Für ihre transdisziplinäre und experimentelle Arbeitsweise wurde sie mehrfach ausgezeichnet, darunter mit den Swiss Design Awards 2024 und dem Prix de l’ECAL 2020; zudem war sie für den Prix Mobilière 2024 nominiert. Ihre Arbeiten wurden international präsentiert, unter anderem in der Kunsthalle Mannheim, bei Jungkunst Winterthur, in der Swiss House Milano sowie bei Paris Photo. 2023 war sie Artist in Residence bei La Becque.
Hullárs Werk zeichnet sich durch einen feinen Humor und eine besondere Leichtigkeit aus, mit der Themen wie Vergänglichkeit, Materialität oder Zukunftsvisionen verhandelt werden. Die Arbeiten entfalten kleine, sich wandelnde Kosmen – poetisch, eigenständig und voller visueller Energie und markieren eine herausragende Position innerhalb der zeitgenössischen Bildkunst.