re:Human x orphic Morphosis
‘re:Human × orphic Morphosis’ ist eine experimentelle, multisensorische Installation der Künstlerin Aurélia Marine in Zusammenarbeit mit Pier und Dorine Rubesa, die an der photoSCHWEIZ von 6. – 10. Februar 2026 erstmals gezeigt wird. Die Arbeit versteht Kunst als wirksamen Erfahrungsraum gesellschaftlicher, systemischer und kollektiver Transformationsprozesse.
Aurélia Marine
©Alberto Venzago
An der Schnittstelle von vibroakustischer Klangarchitektur, sinnlich-kontemplativen Bewegtbildern und wissenschaftlich fundierter Wahrnehmungsforschung entwickelt die Installation eine eigenständige Erfahrungssprache. Als sensorisches Gegenfeld zur permanenten Reizüberflutung transformiert ‘re:Human × orphic Morphosis’ Lärm in Kohärenz und Erleben in bewusste Wahrnehmung. Kunst und Media Art fungieren dabei nicht als Darstellung, sondern als aktive Medien der Neuordnung von Aufmerksamkeit, Präsenz und der Entdeckung verschiedener Wahrnehmungen.
Klang wird nicht als Musik verstanden, sondern als Vibration und verkörpertes Wissen, das den Körper erreicht, bevor kognitive Prozesse einsetzen. Kunst wird bewusst als wirksames Erfahrungsfeld aktiviert – nicht um Bedeutung zu erzeugen, sondern um Transformation zu ermöglichen. Die Installation begreift sich als Ort, an dem Präsenz wichtiger ist als Bedeutung und Stille produktiver als Aktion.
‘re:Human × orphic Morphosis’ entsteht in Zusammenarbeit mit Dorine Rubesa und Pier Rubesa (Sound for Spaces), Schweizer Expert:innen für vibroakustische Systeme und Klangtechnologie mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Erforschung menschlicher Wahrnehmung, der Entwicklung technologischer Systeme sowie in angewandten Klangpraktiken. Die vibroakustische Klangarchitektur von Pier Rubesa macht Sound als physisch erfahrbare Schwingung spürbar: Über präzise kalibrierte Frequenzfelder werden Vibrationen an Raum, Material und Körper vermittelt, sodass Klang zu einer fühlbaren Textur wird, die Wahrnehmung vertieft und eine somatische Dimension des Erlebens eröffnet.
Aufbauend auf langjähriger Forschungsarbeit und patentierten Soundtechnologien (AudioVitality) integriert die Zusammenarbeit eine forschungsbasierte vibroakustische Ebene, die Vibration und Wahrnehmung im Zusammenspiel mit der visuellen Ebene in ein körperlich erfahrbares künstlerisches Erlebnis übersetzt und die Auseinandersetzung mit Präsenz sowie der Mensch–Technologie-Beziehung vertieft.
Ziel der Installation ist es, einen Erfahrungsraum zu schaffen, der Präsenz ermöglicht und den linearen Zeitbezug für einen Moment suspendiert. re:Human × orphic Morphosis lädt dazu ein, innezuhalten, die Wahrnehmung zu verlangsamen und Räume von Klarheit, Offenheit und innerer Resonanz zu betreten.
Als Teil einer langfristig angelegten künstlerischen Praxis versteht sich die Arbeit zugleich als experimentelle Fallstudie, die untersucht, wie immersive Formate auf Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Körperlichkeit wirken. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in zukünftige immersive Anwendungen und mögliche Integrationen – insbesondere im öffentlichen Raum – einfliessen; ein entsprechendes Weiterentwicklungs- und Transferkonzept befindet sich derzeit in Arbeit.
Das Projekt positioniert sich als Pionierarbeit im Spannungsfeld von Kunst, Technologie und Wahrnehmung – und als Einladung, Erfahrung wieder als verkörperten, sinnstiftenden Prozess zu begreifen.
© Aurélia Marine